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Mosaik Mécanique
Norbert Pfaffenbichler


© Sixpack

Für den Künstler Fernand Léger lag das Potential der ?neuen? Kunst Film in deren Eigenschaft, das Visuelle auszustellen; ein Bild zu zeigen statt eine Geschichte zu erzählen. Von diesem Kennzeichen des frühen Kinos, des ?cinema of attractions? (Tom Gunning), wurde bereits eine direkte Verbindung zum Avantgardefilm gezogen, treffen die beiden einander doch sowohl im Exhibitionismus ihrer Bilder, als auch in der Konstruktion eines aktiven, direkt adressierten Publikums.


Bei dieser Verbindung, historisch wie formal, setzt Norbert Pfaffenbichler in MOSAIK MÉCANIQUE ? benannt nach Légers einzigem Experimentalfilm Ballet mécanique (F 1924) und Peter Kubelkas erstem Film Mosaik im Vertrauen (A 1955) ? an: Im Cinemascope-Format entfaltet sich auf der Leinwand ein unfassbares Gewusel an Gegenständen, Bewegungen und AkteurInnen. Nur durch die Einteilung in 7 x 14 Bildfenster scheinen diese im Zaum gehalten zu werden und schließlich doch ein Ganzes formen zu wollen. Die Titelvignette bezeichnet das ausgestellte Material: die Slapstick-Komödie A Film Johnnie (USA 1914), in der Charlie Chaplin permanent Filmset und Realität verwechselt, wird in 98 parallelen geloopten Einstellungen präsentiert. Somit löst mosaik mécanique die Linearität des analogen Mediums Film auf: der Filmstreifen wird durch die Übersetzung ins Digitale zur Gänze (inklusive Start- und Endband) ausgerollt und aufgeklappt. An Stelle einer zeitlichen Strukturierung tritt die Räumliche, Gleichzeitigkeit ersetzt Chronologie.


Das Publikum ist nun nicht nur mit der unmittelbaren Visualität konfrontiert, es ist hin- und hergerissen zwischen analytischem Schauen ? rhythmische Muster oder motivische Spiegelungen werden plötzlich sichtbar ? und dem Versuch, Handlung zu (re)konstruieren. Bild und Ton ? von Bernhard Lang analog zu den Einstellungsloops komponiert ? von MOSAIK MÉCANIQUE fordern eine ununterbrochene Aufmerksamkeitsleistung.
Das Mosaik ist ein Kaleidoskop oder ein Kristall, der zeitliche und räumliche Ebenen ebenso kurzschließt wie unterschiedliche Medien und deren Historizität.
(Claudia Slanar)

Homepage von Norbert Pfaffenbichler

Ort und Zeit der Aufführung: Zentralkino Wr. Neustadt, 04.11.2009 19:30


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